Das ist eine globale Ökokrise. #1: Klimakrise

 

„Die nächsten Jahre sind wahrscheinlich die wichtigsten unserer Geschichte.“ (IPCC-Autorin) „Es ist höchste Zeit die Lähmung zu durchbrechen.“ (UN-Generalsekretär Guterres) „Es gibt keinen Planet B.“ (Barack, Obama)

Diese Statements vermitteln einen kleinen Eindruck über die Dringlichkeit einer ökologischen Zeitenwende. Vieles mag dramatisch klingen. Warum? Weil es zum Großteil dramatisch ist – man kann derzeit die Situationen kaum noch beschönigen. Ich möchte Euch in den nächsten drei Artikeln anhand von den wichtigsten existenziellen ökologischen Themen zeigen, warum es dringend Veränderungen braucht und wie wir alle in kleinen Schritten handeln können. Wir starten mit der Klimakrise.

 

Klimakrise

Es war ein heißer Sommer 2018 und das wärmste Jahr seit der Wetteraufzeichnung. Damit reiht sich das Jahr in eine Serie des 21. Jahrhunderts ein: 9 der 10 wärmsten Jahre seit Wetteraufzeichnung wurden ab dem Jahr 2000 verzeichnet. Wir haben letztes Jahr ein kleines Bild davon bekommen, wie das Sommerwetter in den nächsten 20-30 Jahren alljährlich in Deutschland sein wird, denn die Sommertage werden sich bis zum Ende des Jahrhunderts verdoppeln. Einige Sommerliebhaber werden sich nun freuen, doch die Wirkungen sind alles andere als erfreulich. Eine kurze Auflistung einiger möglicher Folgen für Deutschland bis 2100 (weitere Informationen z.B. hier):

  • Ostdeutschland wird von Dürren bedroht sein, die wir nur aus Mittelmeerregionen kennen. Die Landwirtschaft wird ohne kontinuierliche Bewässerung nicht mehr ihre Erträge erzielen können.
  • An der Ostsee wird es zu sogenannten „Todeszonen“ kommen, in denen wegen der zunehmenden Blaualgenpest kein Leben mehr unter Wasser möglich ist.
  • Überflutungen nehmen zu. Sturmfluten werden um über 1 Meter höher. Schon ab 2030 brauchen wir zusätzliche Schutzmaßnahmen an den Dämmen, um Überschwemmungen einzudgrenzen. Auch im Binnenland werden Überschwemmungen signifikant zunehmen. Zudem wird auch in den Flüssen ein Massensterben wegen zu höher Wassertemperaturen stattfinden. Schon jetzt ist der Rhein drei Grad wärmer als vor 50 Jahren.
  • Schnee wird es selbst in den Mittelgebirgsregionen nicht mehr geben. Ein Großteil der deutschen Waldgebiete wird aussterben und das Trinkwasser geht zurück und wird schlechter.
  • Krankheiten, vor allem für Kinder, nehmen aufgrund der schlechteren Luftqualität zu. Die stärkeren Hitzewellen werden für viele ältere Menschen lebensbedrohlich.
Real gemessene Temperaturabweichung von 1901-2012, IPCC 2013

Weltweit werden die Folgen noch viel dramatischer. In einigen Großregionen wird Leben aufgrund der zu hohen Temperaturen nicht mehr möglich sein, wie z.B. auch in Hadsch, der zentralen Pilgerstätte für über 2 Millionen Muslime jährlich. Die Landwirtschaft wird kaum noch den Hunger der Menschen stillen können, Wasser wird zum existenziell knappen Gut und die eingeatmete Luft wird für über die Hälfte der Weltbevölkerung gesundheitsschädlich. Bereits im Jahr 2050 wird von jährlich über 150 Millionen Flüchtlingen weltweit ausgegangen, die aufgrund von Klimakatastrophen nach einer neuen Heimat suchen.

Uns ist aktuell noch nicht bewusst, was auf uns zukommt und welche Einbußen an Lebensqualität das für unsere Kinder und Enkel haben wird. Politiker schweigen dazu weil sie den Bürgern nicht zu viel „zumuten“ wollen, Medien sehen in den Prognosen kaum guten Berichtsstoff (es sei denn, die Auswirkungen werden sichtbar) und Wissenschaftler tendieren zu einer gewissen „wissenschaftlichen Schüchternheit“. (weitere Informationen z.B. hier)

Zurück ins Heute: Der aktuelle Weltklimabericht macht unmissverständlich klar, dass unsere weltweiten Anstrengungen zur Verringerung von Treibhausgasen drastisch zunehmen müssen, um das Pariser Klimaziel von 1,5 Grad Celsius zu erreichen. Aktuell bewegen wir uns eher in die Richtung von +5 – 6 Grad Celsius. Dies würde einer zivilisatorischen Zerstörung gleichkommen. Auch die diskutierten 0,5 Grad Celsius bis zu 2 Grad bedeuten einen enorm großen Unterschied, was unsere zukünftige Lebensqualität angeht.

Der aktuelle Klimasonderbericht des Weltklimarats rechnet es aus: Um die angestrebten 1,5 Grad mit einer 50/50-Chance zu erreichen, bleiben uns knapp 700 Gigatonnen CO2, die noch ausgestoßen werden dürften. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wäre das Kontingent schon in 14 Jahren – also bis 2032 – verbraucht. Damit dies nicht geschieht, müssen wir bis 2050 auf Null-Emissionen heruntergehen. Und schon bis 2030 50% weniger CO2 verbrauchen – weltweit. Anstregungen, die einen Paradigmenwechsel auch in der deutschen Politik benötigen!

Klar ist, wir müssen jetzt handeln, um überhaupt noch das Schlimmste abwenden zu können. Was können wir also tun? Der WWF hat 10 einfache Tipps vorgestellt, die wir in unserem Alltag verändern können. Ich möchte fünf Punkte hervorheben:

Niemand muss sich rein vegetarisch ernähren aber die Reduzierung des Fleischkonsums würde schon viel bewirken. Denn fast 20% der Emissionen gehen auf das Konto von Viehzucht – mehr als der Transportsektor. Außerdem sollte immer schön „aufgegessen“ werden – denn pro Nase schmeißt jeder von uns jährlich Lebensmittel im Wert von 235€ weg. Das können wir besser! Auch regional einzukaufen, hilft dem Klimaschutz. Bei Bioprodukten sollten wir jedoch aufpassen – viel besser ist es, wenn wir auch noch auf saisonale Produkte achten. Die schmecken übrigens auch besser, als z.B. die aromatote Wintertomate.

Apropos Verkehr: Für kurze Strecken kann man doch Fahrrad fahren oder laufen. In der Stadt gibt es mittlerweile viele Carsharing-Dienste, die man nutzen kann, ohne dass ein eigenes Auto notwendig ist.

Quelle: atmosfair 2018

Noch wichtiger: Inlandsflüge sollten unbedingt vermieden werden; auch ein Shoppingtrip nach New York ist absolut schädlich – allein der Flug verbraucht schon mehr CO2 als wir jährlich an klimaverträglichem Jahresbudget zur Verfügung haben, um auf die 1,5 Grad zu kommen. Ebenso sollte man versuchen, alle 2 Jahre auf einen längeren Flug zu verzichten, und wenn geflogen wird, per atmosfair oder andere Kompensationsdienstleister die Emissionen auszugleichen (mehr dazu in einem der nächsten Blogartikel).

Eine der einfachsten Maßnahmen ist der Wechsel auf Ökostrom. Hier sollte darauf geachtet werden, einen Anbieter mit 100% erneuerbaren Energien zu suchen, denn sonst werden Kohle- und Atomstrom mitfinanziert. Bei der Heizung sollte man auch auf „mitteleuropäische“ Temperaturen einstellen: 19 – 21 Grad im Wohnbereich, 21 – 23 im Bad und 18 Grad im Schlafzimmer. Das spart im Schnitt 70€ im Jahr und mindestens so wichtig: 200 Kilo Kohlendioxid.

Energiesparen ist ebenso einfach und spart bares Geld noch dazu. Deshalb: alle Standby-Geräte ausschalten (das würde bundesweit 2 Kraftwerke einsparen…), LED-Lampen einsetzen und bei Elektrogeräten den ECO-Modus wählen, wenn vorhanden. Beim Kochen auch immer den Deckel auf den Topf und übrigens lieber kaltes Wasser in den Wasserkocher, denn die zentrale Wasseraufheizung verbraucht mehr Emissionen als der eigene Wasserkocher.

Klima-Aktivist*in werden

Als letzten Tipp empfehle ich, das Thema Klimaschutz auf die Straße und in die eigenen Gespräche und Diskussionen zu bringen. Geht demonstrieren für Klimaschutz, redet mit euren lokalen Politikern und Bundestagsabgeordneten, regt Gespräche dazu in den Schulen Eurer Kinder an, tauscht Euch mit Euren Familien, Freunden und Bekannten aus. Das Thema muss raus und überall präsent sein.

Die Zeit des Abwartens ist vorbei – wenn wir jetzt nicht aktiv werden, hinterlassen wir unseren Kindern eine Lebenswirklichkeit, die kaum noch attraktiv ist. Lasst uns in 30 Jahren folgenden Satz vermeiden: „Wir hätten es ändern können“!

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