Das ist eine globale Ökokrise. #3: Ressourcenverbrauch

 

Wir ahnen es in unserem tiefsten Inneren, dass der Lebens- und Konsumstil, so wie wir ihn in Deutschland aktuell führen, nicht unbedingt ökologisch verträglich sein kann. Die Zahlen geben uns leider recht: Am 02. Mai 2018 war der Stichtag, an dem wir die für das Jahr verfügbaren natürlichen Ressourcen schon verbraucht hatten. Den Rest des Jahres lebten wir auf Pump, oder anders ausgedrückt: Wir verbrauchen aktuell die Ressourcen der Zukunft und zerstören damit natürliche Lebensgrundlagen unserer zukünftigen Generationen.

 

Viel zu hoher Ressourcenverbrauch in Deutschland.
Die Menschheit verbraucht also viel mehr natürliche Ressourcen, als die Erde auf Dauer zur Verfügung stellen kann. Der ökologische Fußabdruck – das Maß für den Ressourcenverbrauch – übersteigt die Kapazität der Erde schon heute um 50 Prozent. Damit bräuchten wir umgerechnet 1,5 Erden, um die Ökosystemleistung bereitzustellen, die wir Jahr für Jahr aufzehren. Wäre der deutsche Fußabdruck weltweit Standard, so bräuchten wir sogar 3,0 Erden!

Saugeffekt von Ressourcen. Wir verbrauchen zu viel!

Ein wichtiger und sehr tragischer Teil der Wahrheit ist auch, dass ein erhöhter Ressourcenverbrauch direkt im Zusammenhang mit dem Einkommen steht. Das heißt, der Verbrauch von Energie und anderen Ressourcen ist nicht nur im globalen Maßstab ungleich verteilt, sondern auch innerhalb der Bevölkerung. Es ist (zumindest im ökologischen Zusammenhang) unumstritten, dass der westliche Lebensstil nicht ausdehnbar ist auf alle Menschen weltweit, da die Ressourcen bereits jetzt zu knapp sind. Hier befindet sich eigentlich das größte aller Dilemmas: Die Verantwortung für die mit dem Ressourcenverbrauch verbundenen ökologischen und sozialen Risiken wird heutzutage nicht übernommen. Die Leidtragenden können kaum etwas für die ökologischen Folgen des Ressourcenhungers und die dafür Verantwortlichen werden nicht im geforderten Maße in die Pflicht genommen. Damit verstoßen wir schon heute gegen einen fundamentalen Grundsatz einer nachhaltigen Entwicklung („Hier nicht auf Kosten von Anderswo – oder in der Fachsprache „intragenerationelle Gerechtigkeit“).

Lasst mich noch ein paar weitere Fakten auflisten, die wir im Hinterkopf behalten sollten:

  • Heute verbraucht die Menschheit jährlich etwa 60 Milliarden Tonnen an Rohstoffen – das ist um etwa 50 Prozent mehr als noch vor 30 Jahren. Wenn sich derzeitige Wachstumstrends fortsetzen, könnte die Ressourcenentnahme bis zum Jahr 2030 auf 100 Milliarden Tonnen anwachsen.
  • Um einen Euro Bruttoinlandsprodukt zu erwirtschaften, benötigt die Weltwirtschaft heute etwa 30 Prozent weniger Ressourcen als noch vor 30 Jahren. Trotzdem wächst der Ressourcenverbrauch unvermindert. Trotz Ressourceneffizienz steigt der Verbrauch also in Europa und weltweit kontinuierlich an. Warum?: Weil wir immer mehr Güter und Dienstleistungen konsumieren, werden die Effizienzgewinne durch das Wachstum der Wirtschaft mehr als kompensiert. Das Ziel der weltweit geforderten absoluten Ressourcenentkopplung ist also noch weit entfernt und eine relative Entkopplung führt eher zu mehr Verbrauch (Bumerang- oder Reboundeffekt).
  • Wollen wir eine nachhaltigere Welt erschaffen, müssen Regionen mit einem hohen Pro-Kopf-Verbrauch, wie etwa Europa, ihren Ressourcenverbrauch in absoluten Größen reduzieren, damit ärmere Regionen ihre Ressourcennutzung erhöhen, die Armut verringern und die Lebensqualität verbessern können. Dies ist jedoch noch längst nicht in der globalen und vor allem wirtschaftlichen Debatte akzeptiert.
  • Mittelfristig geht kein Weg daran vorbei, sich grundlegendere Fragen zu wirtschaftlicher Entwicklung und Ressourcenverbrauch zu stellen: insbesondere jene, wie neue Entwicklungsmodelle in Europa und anderen Industrieländern geschaffen werden könnten, die das Wohlbefinden und nicht wachsenden Konsum in den Mittelpunkt stellen. Dazu muss die Rolle von Wirtschaftswachstum und der Zusammenhang zwischen Ressourcennutzung, Lebensqualität und individuellem Glück neu überdacht werden.
Friends of the Earth 2009

Klar ist also, dass der Ressourcenverbrauch insgesamt in den nächsten Jahrzehnten drastisch gesenkt werden muss und dass wir alle handeln müssen. Wenn wir die Erde unseren Kindern nicht als ausgelaugte Müllkippe hinterlassen wollen, müssen wir uns zudem grundsätzliche Fragen zum konsumorientierten Wirtschaftsmodell stellen (mehr dazu in künftigen Blogartikeln)

Wir können uns nicht auf die Politik und Wirtschaft verlassen und auf sie als Heilsbringer hoffen  – zu allererst müssen wir selbst klare Zeichen anhand unseres Konsums setzen: in unseren Einkaufswagen, auf unseren Straßen und unseren eigenen Wohnungen.

Womit sollten wir in unserem Alltag anfangen? Um das beantworten zu können, möchte ich kurz zeigen, wo der meiste Ressourcenverbrauch im alltäglichen Konsum entsteht:

Friends of the Earth 2009

Halten wir also fest: Die größten Hebel in der Ressourceneinsparung liegen in den Bereichen Wohnen und Infrastruktur, Ernährung & Getränke sowie Mobilität.

Als ersten Tipp empfehle ich Euch mal zu schauen, wie Euer eigener ökologischer Fußabdruck ist: http://www.footprintcalculator.org/

Hier einige ausgewählte, längst nicht erschöpfte Beispiele und Tipps für ein ressourcenärmeres Verhalten in diesen drei Bereichen.

Wohnen & Infrastruktur: energieeffizient, minimalistisch und natürlich.

  • Als Erstes sollte das Wohnen so energiearm wie möglich gestaltet werden. Hier können wir direkte Parallelen zu einem verringerten CO2-Verbrauch ziehen – also quasi 2 Fliegen mit einer Klatsche erledigen: Wer energiearm und mit Ökostrom wohnt, spart im Schnitt bis zu 2 CO2 Tonnen im Jahr, laut BUND. Wie schafft Ihr das: Reinen Ökostrom beziehen, Heizung auf max. 21 Grad einstellen, LED-Lampen einsetzen. Außerdem sollten möglichst die Fenster auf dem neuen Stand sein und die Dämmung überprüft werden und ggf. erneuert werden, was jedoch auch heute noch ein sehr heiß diskutiertes Feld ist (hohe Kosten der Dämmung, giftiges Dämmmaterial, Passform mit alter Bausubstanz etc….)
  • Beim Mobiliar kann man auch Einiges beachten. Muss es immer die IKEA-Schrankwand aus intensiver Holzbewirtschaftung sein? Oder der zweite und dritte Fernseher? Im aktuellen Zeitgeist kann die Einrichtung auch minimalistischer und gleichzeitig persönlicher gestaltet werden. Das alte Möbelstück von Oma, das Sideboard aus FSC-zertifizierten Holz oder auch mal das Bücherregal aus alten Weinkisten selbst bauen bzw. als Upcycling-Produkt Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt und Spaß macht es noch dazu.
  • Je natürlicher die Bauweise und Einrichtung, desto ressourcenärmer ist es tendenziell (natürlich gibt es auch hier wieder die klassischen Ausnahmen der Regel). Holz bindet CO2 und je länger es im Holzzustand bleibt – also nicht verfeuert wird – desto besser. Der Trend geht übrigens sogar zum Bau von Wolkenkratzern aus purem Holz, was nicht nur ökologisch, sondern auch äußerst stabil ist. Auch wenn dies in Deutschland durchaus Änderungen im Brandschutz bedarf….
  • Unbeliebt aber notwendig: Unser Wohnraum muss effizienter werden. In unserer westlichen Welt leben wir pro Kopf in tendenziell zu großem Wohnraum, vor allem bei sehr einkommensstarken Haushalten. Insgesamt muss sich der Ressourcenkonsum laut einer Studie des Wuppertal Instituts um 85% reduzieren; dies ist vor allem bei einkommensstarken Haushalten möglich. In Einzelfällen werden sicherlich einige Menschen sich bewusst für ein effizienteres, kleineres Wohnen entscheiden oder sogar den Wohnraum mit anderen teilen, doch in der notwendigen Form wird dies nur über gesetzliche Rahmenbedingungen möglich sein – nach heutigem Stand ist auch das eher undenkbar. Einige Städte werden jedoch bereits aktiv im Zuge der enormen Mietpreissteigerungen, indem älteren „Singlehaushalten“ ein Wohnungstausch angeboten wird oder auch WGs mit Studierenden entstehen, die älteren Menschen im Ausgleich der Bereitstellung eines Zimmers bei alltäglichen Dingen helfen.

Ernährung & Getränke: Verpackungsarm und bewusst auswählen.

Verpackungen gehören zum täglichen Leben und sie haben auch z.T. ihre Berechtigung. Nur nicht in der heutigen Menge: Jährlich verbrauchen Deutsche über 18 Millionen Tonnen Verpackungsmüll – eine Zahl, die man sich nur schwer vorstellen kann: Nehmt an, dass ihr bis zum 02. Mai alles, was ihr kauft, direkt komplett wieder wegwerft. Wenn das alle Deutschen machen, dann kommen wir auf diese Zahl. Wir sehen uns als Mülltrenn-Weltmeister. Ja, wir haben eine gute Recyclingquote ABER wir sind leider Europameister im Müllverbrauch – insgesamt schmeißen wir 220kg pro Person im Jahr weg. Ganz klar: hier müssen wir handeln und die guten Nachrichten sind, dass dies gar nicht so schwer ist.

  • Refuse – einfach mal verzichten. Klingt  hart, ist aber einfach und bereichernd. Macht Euch einen Wochenplan zum Einkauf am besten direkt in Form von Rezepten – das spart auch Geld. Widerstehe den Werbebotschaften und sektenartigen Kaufrauschtagen wie Black Friday oder Valentinstag. Gehe mit Stoffbeutel einkaufen und verzichte auf kleine Behälter – kauf lieber eine große Dose Tomaten als 2 Kleine. Besser noch nur eine Kleine, wenn Du Dir nicht sicher bist. Kaufe keine PET-Wasserflaschen, am besten gar kein Wasser – nutze das Wasser vom Hahn, wenn Du dir nicht sicher bist wegen der Qualität, dann setz doch einfach einen Filter auf den Wasserhahn.
  • Reduce – im Lebensmittelbereich ist wirklich weniger mehr. Sortiere den Kühlschrank aus und überlege dabei, was Du nicht gebraucht hast. Kaufe dies einfach das nächste Mal gar nicht oder in kleinerer Portion. Bei Medikamenten kannst Du übrigens auch erst einmal Hausmittel probieren, bevor Du Dir die komplette Dosis aus der Apotheke holst. Sei kreativ bei der Nutzung bestehender Haushaltsartikel: Das Waffeleisen geht auch als Sandwich-Maker oder Bratapfel-Bräter; Eier kochen am besten im Topf und nicht im Eierkocher etc.
  • Reuse – Sachen so lange wie möglich zu verwenden undweiterzugeben, anstatt sie wegzuwerfen, gehört zu den besten Maßnahmen, Müll zu sparen. Versuche grundsätzlich nur Mehrwegverpackungen zu kaufen. Kauf lieber hochwertig und von guter Qualität, was sich in der Lebensdauer auch bemerkbar macht. Denk dran: Wer billig kauft, kauft oftmals zweimal. Versuche, Dinge wieder zu reparieren, wenn sie kaputt sind. Youtube hat für fast Alles eine Reparieranleitung parat. Eierkartons, Kaffeesatz oder Gemüseschalen lassen sich übrigens hervorragend weiterverwenden – sei kreativ.
  • Recycle – Was zunächst Abfall ist, kann auf dem zweiten Blick auch wiederverwendet werden. Klar, dass geht nicht immer und nicht Jeder hat die nötigen Skills und Lust dazu. Aber ab und zu kann man es zumindest probieren.

Mobilität: Nutzen statt Besitzen, die eigene mobile Muskelkraft nutzen und Entschleunigen.

Dass wir eine Verkehrswende brauchen, um dem Klimawandel aber auch den Ressourcenverbrauch insgesamt zu begegnen, wird kaum noch bestritten. Denn der Transportsektor ist die einzige Branche weltweit, in der die Treibhausgasemissionen und auch der gesamte Ressourcenverbrauch weiter kontinuierlich zunehmen. Hier ein paar Zahlen zur unnützen PKW-Nutzung: 50% aller Autofahrten sind unter 5km. 23 Stunden am Tag steht ein PKW im Schnitt und ist damit eher ein Steh- als ein Fahrzeug. Für die PKW-Nutzung benötigen wir im Schnitt 140 Quadratmeter; für die Fahrradnutzung hingegen nur 40 Quadratmeter. Wollen wir wirklich in einer Welt voller Asphalt leben?

  • Carsharing – lasst uns die vollen 24 Stunden am Tag nutzen. Auf dem Land mag ein Auto noch unverzichtbar sein. Doch in der Stadt sind die Carsharing-Angebote jetzt schon so ausgeprägt, dass die geteilte Nutzung von Autos absolut Sinn macht. Schöner Nebeneffekt: Man muss sich zumeist auch keine Gedanken um das Parken machen, denn das ist mit den Leihautos fast überall möglich. Andere Verkehrsmittel wie Elektroroller, E-Schwalben und Fahrräder runden das Angebot so ab, dass auch jede Strecke mit einem fahrbaren Untersatz zurückgelegt werden kann. Außerdem gibt es schon Plattformen, auf denen man sein eigenes Auto zum Leihen anbieten kann wie z.B. Drivy. Einige Apps bündeln auch schon sämtliche Angebote und ermöglichen eine einfache zentrale Buchung. Ich warte schon auf den Moment, wenn es ein Kombiticket für ÖPNV und Sharing-Anbietern gibt, was dann wirklich eine kombinierte Mobilität zum Pauschalpreis ermöglicht.
  • Nimm es sportlich und lass das Auto mal stehen! Überwinde Deine Bequemlichkeit und steig auf das Fahrrad, anstatt das Auto für ein paar wenige Kilometer zu nutzen. Auch Einkäufe lassen sich mittlerweile per Lastenrad einwandfrei erledigen. Die Großstädte in Deutschland honorieren übrigens jetzt schon die Anschaffung eines Lastenrads. Auch für Gewerbetreibende gibt es sehr attraktive Förderungen von bis zu über 2.000€ pro Lastenfahrrad!

 

Der weltweite Ressourcenhunger ist beunruhigend. Und doch hat hier jeder Einzelne die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln seinen ganz persönlichen Beitrag zu leisten. Wir werden in den nächsten Jahrzehnten enorme Anstrengungen unternehmen müssen, um den Ressourcenfraß in den Griff zu bekommen. Wir können nicht mehr warten, bis Andere aktiv werden, sondern müssen selbst die Initiative ergreifen und zeigen, dass wir nicht nur mündige Konsumenten, sondern auch mündige Bürger sind, denen der Umweltschutz nicht egal ist und wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen können. Dies kann wiederum als Treiber von politischen Veränderungsprozessen wirken – deshalb mein Credo: TUT GUTES und SPREAD THE WORD!

#ONEEARTH

 

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